Katinka wandert im regenreichsten Teil von England

Der Juni hatte ein paar kleine Wochenendausflüge zu bieten, manche mehr, manche weniger aufregend, aber für einen eigenen Blog-Artikel hat es irgendwie nicht gereicht.

 

Natürlich hätte ich über Düsseldorf schreiben können, über meine Freude, im japanischen Viertel über einer Nudelsuppe zu sitzen, um mich herum wird nur japanisch und englisch gesprochen, ich sitze am Tresen und gucke den Köchen dabei zu, wie sie die Suppen bauen und fühle mich fast wieder wie in Tokyo. Oder über Weimar, wo ich stundenlang mit einer Freundin über die alten Zeiten spreche und wir immer wieder in brüllendes Gelächter ausbrechen. Oder über Berlin, wo ich meine Wanderschuhe wiederkriege, die ich in Kathmandu schon mal vorgeschickt habe und an denen noch der Staub vom Himalaya ist, weswegen ich sie am liebsten in eine Vitrine stellen möchte..... Über all das hätte ich schreiben können, aber ich hatte keine Lust dazu.

 

Der Arbeitsbeginn schleicht sich unaufhaltsam von hinten an - meine Vertretung hat ihre letzte Arbeitswoche, mein Arbeitgeber zieht endlich die schiefen Verträge mit mir gerade und als ich mein Fahrrad zum letzten Mal abends in den Keller stelle, bevor ich am nächsten Tag nach Manchester fliege, denke ich: Das nächste Mal, wenn ich mit dem Fahrrad fahre, wird es wieder zur Arbeit sein.

 

Sehr gemischte Gefühle. Am unerträglichsten finde ich eigentlich den Gedanken, dass es das nun war. Dass der Rest meines Lebens nun aus sechs Wochen Urlaub im Jahr besteht und ich ansonsten in Hamburg sein werde. Wegzusein ohne Limit - das hat mir schon gut gefallen.

 

Aber ein letztes Wegsein gibt es noch und jetzt bin ich im Lake District, bei ungewöhnlich warmen Temperaturen. Eigentlich ist diese Ecke als die regenreichste von England bekannt, aber nicht jetzt. Die seit Wochen anhaltende Hitzewelle ist hier echt Thema, in den Nachrichten und bei allen Menschen, die ich treffe. Das sind die hier nicht gewöhnt. Hält aber trotzdem keinen Briten davon ab, in der Sonne zu sitzen und dabei Bier zu trinken. Gerne auch: Viel Bier. Menschen wechseln im Pub von einem Schattenplatz an den Sonnentisch, wenn der endlich mal frei wird. Selbst bei den anstrengendsten Bergaufstiegen wird die Rast gerne in der Sonne gemacht. Zieht man halt noch was aus. Als Mann ist man hier mit freiem Oberkörper durchaus gut angezogen und ich komme so in den Genuß der unglaublichsten Sonnenbrände. 

 

Die ersten beiden Tage kämpfe ich mit allem möglichen: Hitze, Insekten und meiner verschwundenen Kondition. Macht keinen Spaß. Aber in Hawkshead, meinem ersten Quartier, wo es ganz pittoresk ist, mit netten Pubs und Lädchen, gibt sogar eine Yoga-Class. Im Cat-Café. Mal was anderes, wenn sechs Katzen immer mal gucken kommen, was wir so machen und uns demonstrieren, wie natürliche Eleganz und Beweglichkeit WIRKLICH aussehen.

 

Ab Tag drei wird's besser - The Old Man of Coniston ist der Plan und nachdem ich erfolgreich (mal wieder) den vorgegebenen Weg verliere, zu dem ich irgendwann auch nicht mehr zurück kann und will, mache ich halt heute mal drei Gipfel statt einem - was soll's. Oben weht der Wind und es ist fast schon kalt, die Ausblicke sind fantastisch und vom Gipfel des Old Man kann ich tatsächlich in der Ferne Irland sehen. Bergauf scheint mir mehr zu liegen als geradeaus. Bergab aus 803 Metern Höhe fluche ich allerdings schon wieder: Hitze, Schotter, GerölI, alles nicht meins. Ein Pint Cider tröstet mich am Ziel.

 

Mein nächstes B&B ist im Nirgendwo und sehr einfach. Was ich zu erst doof finde (kein TiVi, kein W-LAN, kein Pub, Gemeinschaftsbad) entpuppt sich - wie so oft - als echtes Paradies. Und so sitze ich einfach abends im Garten und gucke der Sonne beim Untergehen zu. Und dann gucke ich noch aus meinem Fenster auf die Berge. Und am nächsten Morgen sitze ich vorm Frühstück schon wieder im Gras, um noch ein bisschen zu gucken. Mehr braucht's nicht.

 

Grasmere ist meine letzte Unterkunft im Lake District und von hier aus mache ich meine Königsetappe auf den Helvellyn, mit 950 Metern immerhin der dritthöchste Berg Englands. Während des Abstiegs überlege ich ernsthaft, mich doch noch mal mit sowas wie Paragliding oder Drachenfliegen zu beschäftigen. Abends bin ich platt, schaffe es dann aber doch noch, das Elfmeter-Schießen zwischen England und Kolumbien zu gucken. Ich glaube, der eine der beiden BBC-Kommentatoren hat am Ende geweint.

 

Morgen fahre ich zurück nach Manchester, meinen Leihwagen holen. Der weitere Plan ist, in den Yorkshire Dales noch ein bisschen zu wandern und dann habe ich ein Quartier in Cambridge für ein paar Nächte. Was mir nicht so klar war: Großbritannien ist RICHTIG teuer. Ich habe hier echt Probleme, eine Unterkunft zu finden die unter 100,- Pfund/Nacht kostet. Dagegen war Japan ja echtes Schnäppchenland.

 

Achja - und weiß jemand von Euch was es zu bedeuten hat, wenn eine Männertruppe mir im Pub eine Scheibe Käse ausgibt?

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Kommentare: 1
  • #1

    Bettina (Sonntag, 15 Juli 2018 19:36)

    Stolze Leistungen!