Katinka gets lost in translation: Osaka

Boah - Osaka macht mich fertig. Genauer: Namba Station macht mich fertig. Mein Bahnhof, durch den ich täglich renne, in dem ich täglich verloren gehe und stundenlang nach irgendeinem Ausgang suche, stattdessen in der nächsten Shopping Mall lande, schnell noch ein hübsches Teil bei Uniqlo kaufe und dann weiter nach dem Ausgang suche... Puh!

 

Das war selbst in Shinjuku nicht halb so schlimm. Sollte ich am 8. Mai nicht wieder in Hamburg sein, dann wisst Ihr, wo Ihr mich findet: Osaka, Namba Station.

 

Der erste Tag hier ist sperrig, wie es erste Tage ja oft sind. Auch das lerne ich noch, geduldiger mit mir selbst zu sein, wenn's nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Dabei fängt der Tag in Amerikamura ("Klein Amerika") eigentlich ganz gut an, ich erstehe ein paar japanische Sneaker und bummele durch die Gassen, aber das füllt natürlich nicht den ganzen Tag. Also, wohin jetzt? Burg Osaka? Ja, kann man machen. Bei google-maps geguckt und für zu weit weg befunden. Wohin dann? Keine Ahnung. Genervtheit stellt sich ein. Krise bei Starbucks ausgesessen und mich für einen Schrein entschieden. Gute Entscheidung. Geht doch.

 

Dafür, dass ich eigentlich keine Schreine und Tempel sehen wollte, docke ich dort doch immer wieder an. Sie sind einfach kleine Oasen in dem ganzen Gewusel und ich mag es, den Japanern dabei zuzusehen, wie sie kurz vor den Schrein treten, mit einem kleinen Ritual Achtung vor den Göttern zeigen, einen stillen Wunsch äußern und dann auch schon wieder weg sind. Ich finde, das ist so ein kleines Innehalten, eine kleine Achtsamkeit im Alltag, das gefällt mir. 

 

Auf dem Rückweg kaufe ich noch mühselig vier Postkarten in einer Buchhandlung (Ansichtskarten sind hier nicht so verbreitet) – meine Frage nach „Stamps“ versteht die arme Verkäuferin natürlich nicht. Mir tut das zwar einerseits immer sehr leid, weil sie alle so freundlich sind, aber dass hier wirklich keiner Englisch spricht nervt mich zunehmend. Wo bekomme ich Briefmarken? Warum funktioniert meine Fahrkarte hier nicht? Wo ist der Ausgang aus diesem Bahnhof? Nix! Ich kann nichts fragen, ich kann nichts sagen, ich muss mir alles selbst irgendwo herholen. Ohne mein Pocket-WiFi und google maps wäre ich hier völlig aufgeschmissen. Ich freu mich ja schon auf Seoul, da wird das ja nicht besser werden.

 

Schon am nächsten Tag ist alles wieder fein, ich habe mir eine Radtour via Airb'n'b gebucht, finde am Treffpunkt zufällig ein wunderbares Café, wo ich in der Sonne mit Blick auf Fluß und Park frühstücke (Salat! Mit Ei und Schinken) und dann radele ich mit Ryosaki und Menschen aus China, den USA und Australien durch Osaka und muss mich einfach mal um gar nichts kümmern. Ein Traum! Der Australier schwärmt von der tollen Fahrrad-Infrastruktur in Osaka - Ich: Welche Fahrrad-Infrastruktur (es gibt keine, die Fahrradfahrer fahren hier alle auf den Fußwegen)? Er: In Australien würde keiner fahrradfahren, dort geht das nicht. Da sind wir in Hamburg doch ganz weit vorne.

 

Und dann trinke ich noch mit Leena aus China, die in Texas lebt, ein Bier und wir verabreden uns, morgen Nakazaki-cho zu erkunden.

 

Am nächsten Tag sehen wir eine Menge - nochmal Amerikamura und dann Nakazaki-cho, zwischendurch ein schwarzes Sesameis und ein Curry, dann Kaffee in einem total romantischen alten japanischen Häuschen (erwähnte ich eigentlich, dass ich mich hier ständig wie Godzilla fühle? Immer in der Angst, bei der nächsten Bewegung irgendetwas zu zerstören? Es ist alles soooo klein und eng hier....), dann suchen wir einen Rosengarten, um vor Ort festzustellen, dass wir hier schon gestern waren und das Highlight ist der Ausflug auf die Aussichtsplattform des Hochhauses Abeno Harukas. Aus 300 Metern Höhe gucken wir auf die Lichter von Osaka - und sind überwältigt. Am liebsten würde ich die Nacht hier verbringen.

 

Das war nett, mal mit jemandem zusammen rumzulaufen, auch wenn die arme Leena jetzt vermutlich einen steifen Hals hat, weil sie den ganzen Tag zu mir hochgucken musste. 

 

An meinem letzten Tag in Japan bin ich ein bisschen wehmütig. Abschiednehmen halt. Kann ich ja schlecht. Heute hab ich wenig Plan, ein bisschen herumtreiben, Japaner beobachten, ein letztes Mal dieses Land auf mich wirken lassen. Im ersten Teil des Tages gelingt das hervorragend, im zweiten Teil strande ich schon wieder irgendwo in Namba Station (obwohl ich ganz wo anders hinwollte) und ich glaube, dieser Bahnhof hasst mich. Zudem sind heute Massen an Menschen unterwegs, denn nächste Woche ist golden week, mehrere Feiertage innerhalb einer Woche und fast alle Japaner nutzen diese Zeit, um zu verreisen und zu shoppen. Überhaupt scheint shoppen hier eine durchaus angesehene Freizeitbeschäftigung zu sein.

 

Dann versuche ich noch herauszufinden, wo mein Flughafen-Shuttle wohl morgen früh abfährt, und hier wirds wieder sperrig, denn: Siehe oben. Ich kann nix fragen, ich kann nix lesen, der uniformierte Wasauchimmer-Mitarbeiter verkreuzt nur die Arme vor der Brust auf meine Frage "Kansai Airport?" und zeigt vage in eine Richtung irgendwo da hinten. Seufz. Immerhin, nur 45 Minuten später habe ich den richtigen Busbahnhof gefunden. Abends investiere ich meine letzten Yen in Okonomiyaki mit Leena, höre noch ein paar Straßenmusikern zu, trenne mich fast unter Tränen von meinem Pocket-WiFi und morgen geht es weiter nach Seoul. Ich bin sehr gespannt, wie ähnlich und/oder anders es dort sein wird.

 

Was sich aber - trotz der anstrengenden letzten Tage - für mich bestätigt und noch verstärkt hat, ist meine Liebe zu diesem Land. Und vielleicht schaffe ich es ja, ein bisschen Japan für mich mit nach Deutschland zu nehmen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Claus (Sonntag, 29 April 2018 18:12)

    Liebe Katja,
    wenn Du aus Namba-Station wieder rausgefunden hast, dann kann Dir in Seoul nichts mehr passieren! ;)
    Mir macht's großen Spaß, Deinen Impressionen aus Japan, Nepal und dem Rest der Welt zu folgen, und ich bin gespannt, was Du in Seoul noch erleben wirst!
    Halt die Ohren steif,
    liebe Grüße
    Claus

  • #2

    Kirsten (Dienstag, 01 Mai 2018 15:52)

    Liebe Katja,
    manno, mir wird ganz schwindelig bei all den Eindrücken, die Du so wunderbar vermitteln kannst - wie schaffst Du das bloß?
    Wahrscheinlich ist mein Leben in meiner kleinen Hamburgwelt mit Deinen offenen Schotten auf Welttour nicht vergleichbar.... Ich wünsche Dir eine tolle Zeit in Seoul und dann freue ich mich auf Dich, Deine Berichte und die vielen Fotos!!!!
    Liebe Grüße, Kirsten