Katinka hat 16 nepalesische Vorspeisen zubereitet

Hatte ich vor der Reise nach Nepal gesagt, dass ich's mal wissen will? Mal an meine Grenzen gehen möchte? Nun denn - ich kann Euch sagen, das hat total gut geklappt mit den Grenzen. Nepal hat mich psychisch und physisch von innen nach außen gekrempelt und jeder Tag der Reise hatte eine Erlebnisdichte wie drei Jahre in Hamburg. Bevor ich mich in Tokyo also beruhige und ein paar hübsche Artikel für Euch schreibe, habe ich mal wieder ein paar Vorspeisen gemacht. Viel Spaß!

Tag 1 - Bakhtapur

Eine Welt jenseits meiner Vorstellungen - es ist heiß, dreckig und staubig, Moppeds, Autos, Busse, Kühe und LKW fahren mir um die Ohren - ich bin völlig überfordert. Also: Fluchtreflex niederkämpfen und nach Bakhtapur reingehen. Mich sofort ins nächste Backpacker-Café retten. Und dann vorsichtig den Kopf um die Ecke stecken und mal gucken... Ich sehe den höchsten Tempel des Kathmandutals, den Durbar Square, den Königspalast und viele kleine Tempel. Ich sehe auch viele Hühner und Hunde und Menschen, die im Schutt knien und mit ihren eigenen Händen ihre Häuser wieder aufbauen, denn das Erdbeben hat 2015 hier 200 Tote gefordert.


Tag 2 - Von Bakhtapur nach Pokhara

Die Gruppe ist komplett und wir fahren mit dem Bus nach Pokhara. Von dort aus geht es weiter in unsere erste Lodge im Annapurna-Gebiet. Die Busfahrt ist in etwa so angenehm wie ein Bandscheibenvorfall.  Auf Straßenbau wird hier nicht sooo viel Wert gelegt. Dem Jeep, der uns dann die letzten paar Meter zur Lodge bringen soll, bricht auf dem Weg dorthin folglich auch das Federbein. Hätte sich mal der alte Mann nicht noch unterwegs an die Beifahrertür gehängt.


Tag 3 - Im Annapurna-Gebiet

Ich wache auf, gucke aus meinem Fenster und sehe das hier.

 

Glück!

 

(wer's genauer wissen möchte: Links Annapurna 2-4, rechts Machapuchare (6.997 m))


Tag 4 - Von Pokhara nach Kathmandu

Geht los - eines der Dinge, vor denen ich echt Schiss habe, sind die drei Inlandsflüge mit irgendwelchen wilden Airlines (Yeti, Buddha) die von der EU auf die Schwarze Liste gesetzt worden sind. Den ersten habe ich überlebt und die charmante Stewardess schafft es sogar, auf engstem Raum während eines 25 Minuten dauerndes Fluges Wattebäuschchen (für die Ohren), Bonbons (für die Nerven) und Limonade zu verteilen. 


Tag 5 - Von Kathmandu nach Phakding

Nach einem kurzen Flug mit einer weiteren Blacklist-Airline zu einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt, Lukla, laufen wir zu unserer ersten Lodge im Everest-Gebiet nach Phakding. Mit uns laufen zahllose funktionsbekleidete Trekking-Touristen aus aller Herren Länder, Maultiere, Jokpes (Mutter: Nak, Vater: Rind), Pferde, Hunde und Träger, die leichtfüßig das Doppelte ihres Körpergewichts durch die Berge tragen. Ich komme aus dem Staunen gerade nicht mehr heraus.


Tag 6 - Von Phakding nach Namche Bazar

Heute ist ein sehr aufregender Tag: Wir bewältigen 800 Höhenmeter, kommen abends auf 3.400 Metern an uuuuuuuund... Wir überqueren die Hillary-Bridge (Die obere im Bild! Nicht die untere!)! Nicht schön. Gar nicht schön. Aber wie Ihr sehen könnt, bin ich stolz wie Oskar :)



Tag 7 - Namche Bazar

Heute sehen wir ihn zum ersten Mal - den Mount Everest. Von der Terasse des Hotel Everest View auf 3.880 Metern. Seit gestern hat das Wandern eine interessante neue Komponente bekommen - wir bewegen uns mit Mini-Schritten in Zeitlupe den Berg hoch und bleiben alle naslang keuchend stehen, bis wir uns wieder erholt haben. Ich hätte nicht gedacht, dass sich das schon so schnell so krass anfühlen würde.


Tag 8 - Von Namche Bazar nach Thame

Schon seit Phakding ist es kalt und je höher wir kommen, desto kälter wird es. Auf dem Weg nach Thame von 3.400 auf 3.800 Meter beginnt es zu schneien. Dass die Lodges sämtlichst nicht über Heizungen und nur manchmal über warmes Wasser, dafür aber über sehr dünne Wände verfügen, macht es nicht besser. Ab 18 Uhr sitzen wir dick eingepackt wie die Kriegskinder um den Ofen der Lodge und wärmen uns auf.


Tag 9 - Akklimatisierung in Thame

Tagesausflug auf 4.200 Meter. Luftsprünge sind noch möglich.


Tag 10 - Von Thame nach Kongde

Das Problem ist, dass das Tal, durch welches wir heute nach Kongde wandern sollen, vereist ist und somit zu gefährlich für uns. Während wir auf den Hubschrauber warten, der uns dort hinbringt, trocknet das Frühstücksgeschirr in der Morgensonne.


Tag 11 - Kongde

4.250 Meter. Die letzte Tageswanderung bringt uns noch auf 4.500 Meter (und ich bin echt am kämpfen). Höher wirds nicht mehr. Kälter auch nicht. Die Wasserleitungen in der Lodge sind eingefroren.

Das Panorama entschädigt für alles.


Tag 12 - Von Kongde nach Pakhding

Tatsächlich das einzige Bild, das ich heute aufgenommen habe - MoMos zum Mittagessen. Der Rest des Tages besteht aus einem anstrengenden Abstieg von 4.250 auf 2.700 Meter. Mir tun die Knie weh, ich stinke, bin dreckig, erkältet und äußerst schlecht gelaunt.


Tag 13 - Lukla

Am letzten Abend der Trekking-Tour heißt es Abschied nehmen von unserer zauberhaften Mannschaft - vier Träger haben neun Tage lang unser Gepäck durch die Berge getragen, Sherpa 1 bis 3 haben uns bekocht und mit Tee versorgt und waren auf jeder Wanderung für uns da, mindestens einer vorne und immer einer hinten. Sie fehlen mir jetzt schon. Mit freundlicher Unterstützung von Everest-Bier tanze ich sogar noch zu späterer Stunde.


Tag 14 - Immernoch Lukla

Und dachte ich gestern Abend noch, dass ab jetzt wohl nicht mehr viel Aufregendes passiert, so werde ich heute schon direkt eines besseren belehrt. Die Wolken zwischen Kathmandu und Lukla hängen zu tief, so dass die Flugzeuge nicht mehr fliegen können. Ob sie morgen fliegen? Weiß man nicht. Und nun? Warten. Darauf, dass die Wolken sich vielleicht noch mal heben heute. In der Lodge (kalt), in der Abflughalle (kalt), in einem Café (kalt). Und dann? Hubschrauber bestellen, wir wollen hier weg. Hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mal so viel Hubschrauber fliegen würde.


Tag 15 - Kathmandu

Wieder in Kathmandu zu sein ist wie ein Schock. Ich will zurück in die Berge. Wir machen noch ein bisschen Siteseeing, das uns unter anderem zum größten Stupa von Nepal führt. Ein tröstliches Örtchen, denn wir sind noch etwas traumatisiert von den hinduistischen Leichenverbrennungen, die wir uns vorher angeguckt haben. 


Tag 16 - Kathmandu

Ich schlage die Zeit tot, denn mein Flug geht erst um kurz vor Mitternacht. Auf der Dachterrasse des Mulberry Hotel lässt sich Kathmandu ganz gut aushalten. Ich bin ein bisschen einsam und melancholisch und natürlich total aufgeregt... Next Stop: Tokyo! 


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Kommentare: 5
  • #1

    Stefan (Sonntag, 08 April 2018 14:19)

    Was für Erlebnisse: Total spannend und sehr, sehr interessant zu lesen.

  • #2

    Bettina (Sonntag, 08 April 2018 17:52)

    Sprachlos! Im Englischen würde man wohl sagen breathtaking. Bin gespannt auf die Hauptspeise.

  • #3

    Nora (Montag, 09 April 2018 10:41)

    Gerade die anstrengenden Erlebnisse sind die, die in Erinnerung bleiben und stolz machen.... In diesem Sinne weiter so.... Klasse!!!
    LG aus dem Hamburger Frühling

  • #4

    Birgit (Montag, 09 April 2018 17:06)

    Was für eine Pracht! Bei dem Anblick ist mir fast das Herz stehengeblieben. Was für eine Reise! Das wirst Du nie nie nie vergessen!

  • #5

    Kirsten (Sonntag, 15 April 2018 16:13)

    Liebe Katja, das ist ja der Hammer!!!! Unglaublich - und für Dich wird`s unvergessen sein.
    Und ich finde Deine Schreibe einfach großartig! Ich freue mich auf Deine weiteren Reiseberichte und wünsche Dir erst einmal viel Spaß und ausreichend Zeit und Ruhe, Deine Treckingerlebnisse zu verdauen! Ob das wohl geht in der "coolsten Stadt der Welt"?
    Liebe Grüße aus dem, heute verregneten, auch schönen Hamburg