Katinka treibt oben

Und dann bin ich endlich wieder in der Wüste! Schon in Iran war das ja eine der Landschaften, die mich am  meisten beeindruckt und berührt hat und das ist hier nicht anders. Die Weite, die Berge und der Himmel machen sofort was mit mir und ich sitze staunend wie ein kleines Kind im Bus und gucke aus dem Fenster.

 

Doch bevor es ans Wandern geht, erklimmen wir die Festung Masada, die uns neben einem vielversprechenden Blick aufs Tote Meer auch die tragische Geschichte von fast 1.000 jüdischen Rebellen bietet, die sich im Jahr 74 AD lieber selber töteten, als den römischen Belagerern in die Hände zu fallen. Als die Römer die Festung endlich einnahmen, sollen sie von diesem Mut sehr beeindruckt gewesen sein. Bis heute ist Masada ein Symbol für den jüdischen Willen zur Freiheit.

 

Unser Wille zur Nahrungsaufnahme wird hingegen unterbunden, wir sind spät dran und müssen noch zum Toten Meer und überhaupt werden wir schon nicht verhungern. Ich denke ein bisschen sehnsüchtig an Mehdi, meinen Reiseleiter in Iran, der vermutlich sofort aus dem Bus gesprungen wäre, um irgendetwas zu essen aufzutreiben, wenn auch nur einer von uns genörgelt hätte. Aber heute bin ich ja in Israel, da gibt's halt nix.

 

Die schlechte Laune verschwindet allerdings sofort wieder, als wir das Tote Meer erreichen - eine Stunde baden! Das türkisfarbene Wasser mit den weißen Salzkrusten an den Rändern und den Salzinselchen in der Ferne, vor der imposanten Kette der jordanischen Berge, ist ein fantastischer Anblick. Über den Salzstrand geht es mit lustigem Fußgefühl ins - leider auch nicht sooo warme - Wasser. Irgendwann traut sich die erste von uns und lehnt sich nach hinten und ploppt hoch wie ein Korken in der Badewanne. Wildes Gelächter! Ganz großes Kino. Und dann dümpeln wir alle rücklings in der Salzlake, versuchen uns im Brustschwimmen, was sehr lustig aussieht, weil die Beine immer nach oben wollen, und haben richtig viel Spaß. Ich hatte ja angesichts der Mengen, die ich in den letzten Tagen gefuttert habe, ein bisschen Angst, dass ich vielleicht doch untergehe, war aber völlig unbegründet. Davon will ich mehr!!

 

Als Esther uns abends den Plan für die nächsten drei Wandertage erläutert, klingt das eher wie eine Drohung, als ein Vergnügen. Ich sehe uns schon verdurstet und verhungert an einem Wanderwegweiser enden, den leider keiner von uns lesen kann. Obendrauf wartet schon der Geier. Entsprechend (an)gespannt gehen wir am nächsten Tag los.

 

Und dann kommen drei sehr spektakuläre Tage, in denen wir auf dem Israel National Trail laufen. Mit 3 Litern Wasser Minimum im Rucksack starten wir zeitig, wir haben jeweils zwischen sechs und acht Stunden Wanderung vor uns, ohne Einkehrmöglichkeit (wie gut, dass ich das schon aus der Eifel kenne...). Zum Glück ist es zwar sehr warm, aber nicht zu heiß und es gibt immer mal wieder Wind oder Wolken, während wir durch die atemberaubende Landschaft laufen. Am ersten Tag noch relativ unaufregend, aber schon anstrengend, weil wir eigentlich immer durch irgendwelche Wadis gehen, die wahlweise mit Sand und/oder Steinen gefüllt sind.

 

Am zweiten Tag wird's dann schon felsiger, wir müssen viel klettern und werden dabei immer wieder von jungen Männern überholt, die wie Springböcke durch die Gegend rennen und für die die Schwerkraft anscheinend keine Geltung zu haben scheint. Demütigend. Außerdem treffen wir Mengen und Massen an Schulklassen mit müde aussehenden Lehrern, die vermutlich nur froh sind, wenn sie alle ihre Schäfchen mit ungebrochenen Gliedern wieder nach Hause kriegen. Beim Durchklettern eines Kamins wird es ein bisschen grenzwertig, als einer von uns fast steckenbleibt und Esther dann noch eine kleine Höhenangst-Panikattacke bekommt. Aber letztlich geht alles gut und ich bin gerade echt froh und dankbar, dass mein Körper das ganze Gekraxel so gut macht und kann.

 

Tag drei bringt dann die anspruchsvollste Tour, wir sind eigentlich nur noch auf Händen und Füßen unterwegs, immer wieder müssen Rucksäcke und Stöcke durchgereicht werden, damit wir durch irgendwelche Felsspalten passen und wir müssen uns höllisch konzentrieren, wo wir die Füße hinsetzen. Wir treffen eine Seniorenwandertruppe, die einen Stau am Berg verursacht - sie wandern den Trail schon seit längerem, immer mal wieder ein paar Etappen. Jetzt haben sie es fast geschafft. Chapeau! Und sie tragen sogar noch eine Fahne mit sich herum.

 

Vom letzten Aussichtspunkt können wir dann nach Israel, Jordanien, Saudi-Arabien und Ägypten gucken. Und natürlich aufs Rote Meer.

 

Unser vorletztes Quartier ist in Eilat, das ist so'n bisschen der Ballermann von Israel. Ich finde es ein bisschen doof, hier einen Ruhetag zu haben, ich hätte den lieber in Tel Aviv gehabt. Nun denn. Was kann man tun in Eilat? Baden, Schnorcheln, Fische gucken, Shoppen. Ich mache die letzten beiden.

 

Und dann gehts leider auch schon wieder raus aus der Wüste und nach Tel Aviv, rspt. Jaffa, von wo aus wir am nächsten Tag abfliegen werden. Tel Aviv ist cool. Ganz anders als Jerusalem, sehr europäisch, es könnte auch in Portugal sein. Ein Abend und ein Vormittag sind natürlich viel zu kurz, aber ich genieße die letzten drei Stunden in vollen Zügen. Hier kann man sich total schön treiben lassen, von Espresso und Brioche zu Babaganush und Zitronenlimonade, dazwischen auf einer Bank mit Blick auf das Mittelmeer ein bisschen lesen, dann über den Flohmarkt schlendern und noch ein letztes Goldstar trinken.

 

Das ist wirklich ein schöner Abschluss und ich glaube, hier muss ich nochmal her. Das ein oder andere möchte noch nachgearbeitet werden. Ach ja, und Jordanien soll auch sehr schön sein, wurde mir gesagt...

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Mittwoch, 07 März 2018 20:08)

    Chapeau! Diese Wanderung muss ja stellenweise "höllisch" gewesen sein. Und das im Heiligen Land...

  • #2

    Angela (Dienstag, 03 April 2018 07:41)

    Danke meine Liebe, das war wieder ein sehr schöner Bericht über ein tolles Abenteuer! Macht echt Spaß, Dir zu folgen!