Katinka : Portugal - 1. Halbzeit

Es hakt, es hakt, ich komm nicht in Portugal rein, jedenfalls nicht in der ersten Woche. Und ich habe keine Ahnung, warum. Es ist doch ein ganz hübsches Land mit sehr angenehmen Temperaturen und überall gibt es guten Kaffee und zumindest in Lissabon die allerallerbesten Natas, die ich jemals gegessen habe...

 

Okay, der Start in Lisboa ist eigentlich erst einmal gar nicht so schlecht. Aber nach dem wochenlangen Rumgedümpel in Hamburg tue ich mich nun ein bisschen schwer damit, wieder alleine on the road zu sein. Für's erste löse ich das ganz elegant, in dem ich zwei Stadtführungen mit den "Wild Walkers" mache, da bin ich schon mal zweieinhalb Stunden nicht mehr allein. Die "Wild Walkers" sind Einheimische, die jeden Tag um halb elf auf dem Rossio stehen und umsonst Touren anbieten. Am Mittwoch laufe ich als Teil einer buntgemischten Truppe also mit Marco durch Chiado und am Donnerstag mit Hugo durch Alfama. Beiden wissen nicht nur eine Menge, sondern sind auch echt unterhaltsam dabei.

 

Sehr bewegend finde ich die Geschichte des Erdbebens von Lissabon, welches am Vormittag des 1. November 1755 die Stadt (und natürlich nicht nur die) erschütterte, die Erde soll (laut Reiseführer) sechs Minuten lang gebebt haben. Weil aufgrund des Feiertages in vielen Vierteln Lissabons Kerzen angezündet waren, kam es in Folge des Bebens zu einem Großbrand und kurz danach zu einer Tsunami-Welle, die zwar einen Teil der Brände wieder löschte, aber auch tausende Menschen, die an den Tejo geflüchtet waren, tötete. Relativ unbeschadet kamen nur die Oberstadt und das Rotlichtviertel Alfama davon. Ein Überbleibsel dieser Katastrophe ist die Ruine der Igreja do Carmo.

 

Die gucke ich mir natürlich an und noch eine andere Kirche, die Igreja de Sao Domingos, die nach einem verheerend Brand 1956 wieder aufgebaut wurde, wobei die verbrannten Säulen im Kirchenschiff erhalten blieben. Ein berührender Ort, mit wenigen Touristen und vielen Menschen im Gebet.

 

Ihr merkt schon, ich mag die Zerstörung...

 

Abends gehe ich erfolgreich in den Gassen von Alfama verloren oder esse Pasteis de Bacalao oder Sardinhas im Time-Out-Market. Am Freitag mache ich einen Ausflug nach Belem, das ist soweit ganz hübsch, aber unaufregend und dann gehe ich in die "Pasteleria de Belem" und esse die u-n-f-a-s-s-b-a-r leckersten Natas meines Lebens. Zwei. Und dann noch zwei. Und da ich hier vermutlich so schnell nicht wieder herkomme noch mal zwei. Die noch warme Vanillecreme ist nicht zu süß und fast schon flüssig, der Blätterteig drumherum extrem knusprig und das ganze Ding an sich ist eine einzige Offenbarung! Dazu eine heiße Schokolade, in der der Löffel steht - danach brauche ich dringend einen langen Verdauungsspaziergang entlang des Tejo...

 

Und dann ist auch schon Samstag und ich übernehme erfolgreich meinen kleinen Leihwagen (hat zwar doch nur für einen Punto gereicht, aber in den bin ich sofort verliebt) und juckel damit, begleitet von sturzbachartigen Regenfällen, gen Süden, nach Monchique. Dort habe ich ein traumschönes Gästehaus mitten im Wald, peu à peu erschließe ich mir das Wandergebiet, habe fantastische Ausblicke auf den Atlantik und die umliegenden Berge, märchenhafte Sonnenauf- und -untergänge, abends den Blick aus meinem Zimmer auf die Lichter von Lagos - und trotzdem springt der Funke nicht über. Ich habe den einen oder anderen Glücksmoment und es geht mir gut, aber irgendwas fehlt, irgendwie ist es nicht rund, als würde ich hier nicht hingehören. Die Landschaft berührt mich nicht, und sie tut es bis zum Schluß nicht.

 

Die Wanderungen sind okay und gut ausgeschildert, aber ich hätte gerne noch längere Strecken und mehr Höhenmeter gemacht, werde aber nicht fündig und auf eigene Faust lauf ich ohne Karte hier nicht durch die Gegend. Ein bisschen Manschetten hab ich ja vor dem Nepal-Trip im März und den 1.000 Höhenmetern, die da u.a. zu machen sein werden. Also trabe ich zu Trainingszwecken hier schon mal mehrfach täglich die 107 Stufen im Garten des Gästehauses hoch und runter.

 

Die aufregendste Wanderung ist - wenn überhaupt - die letzte, sie führt laut Wanderführer durch ein verlassenes Gehöft, was allerdings so verlassen gar nicht ist - im Hof stehen sieben Männer um ein frisch geschlachtetes Schwein herum, ich werde von drei unangeleinten Hunden (nacheinander) verbellt und muss danach im respektablen Abstand von 30 Zentimetern noch acht Bienenstöcke passieren *schluck*. Das wars dann aber auch schon an Abenteuer.

 

Total schön finde ich allerdings das Yoga, zu dem mich Steffi aus dem Gästehaus zwei Mal mitnimmt. Anne ist eine klitzekleine, bezaubernde Irin und unterrichtet im Tempel eines Retreats in den Bergen Hatha-Yoga und diese beiden Stunden in diesem arschkalten, fantastischen Raum machen mich richtig glücklich. Überhaupt stelle ich mehr und mehr fest, dass Yoga mich glücklich macht, wann immer ich es praktiziere.

 

Nach einer Woche in den Bergen fahre ich nun an den Atlantik, mein erstes Quartier in Vila do Bispo ist dem süd-westlichsten Ende von Europa sehr nah und ich bin gespannt auf die Steilküste und die Wellen....

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