Katinka hat 21 persische Vorspeisen zubereitet

Was für eine fantastische Reise, was für ein Land - Iran hat alle meine Erwartungen weit übertroffen und mich immer wieder sehr berührt und beeindruckt. Bis ich das alles im Blog verbacken kann, wird es ein paar Tage dauern. Deshalb bekommt Ihr schon mal 21 Eindrücke vorab. Habt Spaß!

Tag 1 - Teheran

Nachdem ich mich ein wenig akklimatisiert habe, will ich mich mit Ali treffen, einem Cousin von Elham. Die Zeit ist knapp, heute Abend kommt die Reisegruppe und dann sind wir auch schon wieder weg aus Teheran. Die Verständigung am Telefon klappt, in dem ich mein Handy immer wieder wildfremden Menschen ans Ohr drücke, die mich dann irgendwo hindirigieren, mit Geldscheinen wedeln oder mich in einem Taxi eine halbe Stunde lang durch die Stadt fahren. Dann halten wir irgendwo am Straßenrand an und der Taxifahrer und ich sitzen zusammen ein bisschen schweigend im Taxi rum, bis er auf einen weißen SUV deutet, der vor uns anhält - vertrauensvoll steige ich um, schließlich bin ich in Iran, da kann man das mal machen.

 

Ali (rechts im Bild) ist total sweet, mittels Englisch und Händenundfüßen haben wir einen supernetten Nachmittag und anscheinend bin ich so exotisch, dass ich auch noch zwei seiner Freunde kennenlernen darf, mit denen wir abends noch einen Tee trinken. Bitte beachtet a) die meiner Unsicherheit gezollte Hijab-Wickelwürgetechnik, die mir zu einem deutlich bäuerliches Aussehen verhilft  und b) die Katze im Hintergrund, die wollte mit aufs Bild. Für meinen ersten Tag in Iran finde ich mich heute schon mal gar nicht so schlecht.


Tag 2 - Teheran

Vom Hausberg, dem Tochal, aus. Die Smogdecke ist unschwer zu erkennen.


Tag 3 - Larijan

Wir verlassen den Moloch Teheran und fahren nach Norden, in ein klitzekleines Kaff. Abends gibt's Essen bei den Einheimischen. Was wo anders vermutlich eine völlig routinierte Wir-füttern-schon-seit-Jahren-die-doofen-Touristen-mit-Kebab-ab-und-haben-da-eigentlich-gar-keinen-Bock-mehr-drauf-Veranstaltung wäre, wirkt hier tatsächlich noch sehr echt, sehr freundschaftlich, fast schon familiär.

 

Plastikplane auf den Teppich, Geschirr und Essen drauf, fertig ist die Tafel. Und lecker war es!!!


Tag 4 - Am Damavand

Mit 5.604 Metern ist er der höchste Berg von Iran - mein Herz schlägt ebenfalls hoch bei dieser Wanderung an seinem Fuß, nicht nur, weil die Luft so dünn ist, sondern auch, weil das Bergpanorama einfach nur atemberaubend ist. Ein ganz großer Glückstag ist das heute, zumal wir auch noch beste Sicht haben. 


Tag 5 - Kaspisches Meer

Es geht weiter Richtung Nordwesten und binnen ein paar Stunden wandelt sich die Landschaft von wüsten, kargen Bergen zu diesem lieblichen Panorama. Wir tauchen unsere Füße ins kaspische Meer, die Hosenbeine der Frauen bleiben natürlich unten.

 

Im Sommer baden hier die Frauen links und die Männer rechts.


Tag 6 - Kelardasht

Für mich einer der schönsten Tage der ganzen Reise. Wir wandern zu einem Bergsee und bekommen dort zum Mittagessen Hähnchen-Kebab gegrillt. Bei unserem heutigen einheimischen Wanderführer haben wir gestern abend wieder persisch-lecker auf dem Teppich gespeist, mit seiner Familie und noch weiteren Freunden. Die waren dann auch alle beim Mittagspicknick wieder mit dabei. Sogar unser Busfahrer läuft heute mit und am Picknickplatz freuen sich alle wie Bolle, sich wiederzusehen. Und ich hab jetzt gerade ein fettes Grinsen im Gesicht, wenn ich daran zurückdenke.

 


Tag 7 - Masuleh

Viel im Bus gesessen heute, Iran ist nicht sooo klein. Wir fahren an der Küste Richtung iranisch-azerbeidjanische Grenze. Nachmittags gibt es einen Mini-Ausflug ins bildhübsche Bergdorf Masuleh. Die Häuser sind alle ganz ineinander verschachtelt gebaut und man kann sich dort hervorragend verlaufen und vor lauter Sesam, Gewürzen und Strickwaren den Gruppentreffpunkt nicht mehr wiederfinden.


Tag 8 - Ardabil

Heute wird es endlich mal so richtig persisch - das Mausoleum von Sheik Safi wartet mit Kacheln und Ornamentik und beeindruckenden Farben und Lichtstimmungen auf. Wir staunen. Und freuen uns. Und ich frage mich, wie sich so etwas wohl in meinem Bad realisieren ließe.


Tag 9 - Sar-e Eyn

Die ganze Nacht tobt der Sturm um das Hotel und die geplante Wanderung ist nicht machbar, weil nach 1,5 Sekunden keiner von uns mehr aus den Augen gucken kann vor lauter Sand. Stattdessen fahren wir nach Ardabil und laufen um den See. Das ist relativ langweilig, aber die drei Studenten, die wir beim Picknick treffen, reißen's wieder raus. Windstärke 12 - das Kopftuch sitzt.


Tag 10 - Soltaniyeh

Das Mausoleum von Öltjeitü ist UNESCO Weltkulturerbe und die 53 Meter hohe Kuppel ist die höchste gemauerte Kuppel der Welt. Leider ist es sowohl außen als auch innen eingerüstet und das wird auch noch ein paar Jahre so bleiben. Aber wenn man drinsteht umd nach oben guckt, bekommt man selbst mit Baugerüst das Gefühl, sehr, sehr klein zu sein.


Tag 11 - Hamedan

Als Corinna und ich abends in der Lobby kniffeln, bekommen wir Gesellschaft und zum ersten Mal das Angebot, Alkohol zu trinken. Wir freuen uns bei dem Gedanken, dass die Iraner vermutlich denken, dass deutsche Frauen wahlweise wie Bäuerinnen oder wie pensionierte Lehrerinnen aussehen.


Tag 12 - Isfahan

Isfahan - das ist die halbe Welt.

Wenn die andere halbe Welt doch auch nur so schön wäre...


Tag 13 - Isfahan

Der Meydan-e Imam. Ich bin einfach nur glücklich und könnte tagelang hier rumsitzen, die Sonne untergehen sehen, die Isfahaner beim picknicken beobachten, mich anquatschen lassen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Ich habe schon so viele Bilder von diesem Ort gesehen und nun bin ich tatsächlich hier. Ich kann es kaum fassen.


Tag 14 - Isfahan

Neben dem Meydan-e Imam hat Isfahan auch einen der schönsten Bazare Irans. Ich hätte jetzt gerne meine Küche.


Tag 15 - Nach Yazd

Von Isfahan geht es an den Rand der Wüste. Die erste Wüste, die ich in meinem Leben sehe, berührt mich zutiefst. Dazu Scott Walker & Sunn O))) auf den Ohren.... Die zoroastrischen Türme des Schweigens können kommen, ich bin gewappnet!


Tag 16 - Yazd

Am Rande der Kavir-Wüste gelegen ist Yazd anders, als alles, was wir bisher gesehen haben. Auf diesem Gelände haben die Zoroastrier bis Ende der 1960er Jahre ihre Himmelsbestattungen durchgeführt, in dem sie die Toten oben in den Türmen ablegten. Die Geier dienten dann als Transporteure für die Seele der Menschen gen Himmel (und hatten - je nachdem - gut zu essen). Ein schöner Ort. 


Tag 17 - Shiraz

Nach einer anstrengenden Busfahrt sollte man sich auf jeden Fall etwas Gutes gönnen.


Tag 18 - Persepolis

Das "Tor aller Länder" - auch hier denke ich wieder: "Whow! Ich hab's schon so oft auf Bildern gesehen und jetzt bin ich hier!" und kann's kaum glauben.


Tag 19 - Shiraz

Für viele ist wahrscheinlich Persepolis der Höhepunkt der Reise, für mich ist es der formschöne Leihtschador, den wir Frauen beim Besuch des Mausoleums von Shah Cheraq bekommen.


Tag 20 - Shiraz

Der Abschied von Corinna und der Reisegruppe fällt mir (zu meinem eignen Erstaunen) richtig schwer. Abends laufe ich zum Grab von Hafis, ein wunderbar tröstlicher und lebendiger Ort, an dem sich viele Einwohner von Shiraz treffen, um Fotos zu machen oder am Sarkopharg des Dichters zu verweilen.


Tag 21 - Shiraz

Ich erklimme über ca. 650 Treppenstufen den Aussichtsturm Gahvare-yeh Did, hoch über Shiraz. Etwas in mir fühlt sich alleine und könnte auch langsam mal nach Hause. Etwas anderes in mir möchte hier nicht mehr weg. Morgen Nacht geht mein Flieger.

 

Mérsi, Iran! Khoda hafez!


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Kommentare: 2
  • #1

    Angela (Mittwoch, 22 November 2017 11:13)

    Katja, danke danke danke für die schönen Eindrücke! Absolut interessant! ...auch wenn es von Dir mit Sicherheit schönere Fotos gibt ;-)) Was für ein interessantes Land! Gut geschreiben, gut fotografiert! Daumen hoch!

  • #2

    Birgit Lindemann (Donnerstag, 30 November 2017 17:54)

    Danke für den kurzen Überblick Deiner Reise, liebe Katja, mit all den tollen Fotos, vor allem von Dir. Auch schön zu sehen, dass Dein Würgeknoten mit der Zeit lockerer geworden ist ;) Freue mich schon auf die anderen Blogeinträge von Deiner beeindruckenden Reise in ein für mich so fremdes Land, die schon fertig auf mich warten.