Katinka trinkt Bier

Prag bekommt einen eigenen Blogeintrag - weniger, weil ich dort so viel erlebt habe, sondern wegen der vielen Fotos, die ich gemacht habe. Prag hat mich echt überwältigt. Und eineinhalb Tage sind viel zu wenig.

 

Im Gegensatz zu Wien ist Prag nicht nur groß sondern auch neu (für mich) und ich kann ein bisschen lost-in-translation spielen. Die abendliche Orientierung an der Tram-Haltestelle klappt zufriedenstellend, den Haltestellennamen muss ich fotografieren, den kann ich weder aussprechen noch mir jemals merken. Ein bisschen durch die Gassen bummeln und eine Knödelkleinigkeit essen (und natürlich ein Bier trinken) ist der Plan, aber ich habe die Größe dieses historischen Stadtkerns unterschätzt. Ich steige viel zu früh aus der Tram und gehe - trotz Stadtplan und google maps - direkt verloren. Aber tolle Häuser hier! Ich habe Hunger, ich find nix so richtig und bin auf den Mund gefallen, weil ich kein Tschechisch spreche. Ich renne ein bisschen herum (diese Häuser!) und muss jetzt mal eine Lanze für internationale FastFood-Ketten brechen: Starbucks, McDonalds, Subway - sie sind überall, man weiß immer, was man kriegt und es schmeckt immer gleich. Manchmal kann das sehr tröstlich sein. Und so falle ich dem örtlichen Subway anheim.

Danach gehts mir besser und ich lande auf dem Wentzelsplatz, auf dem ein klassisches Konzert live übertragen wird. Die Musik berührt mich sehr, die Sängerinnen und Sänger sind toll und ich bleibe stehen.

 

Download video: MP4 format

 

Und weil's so schön ist, setze ich mich zum erstbesten... *hüstel*... Italiener und trinke ein fettes, tschechisches Bier, während ich frierend weiter der Musik lausche. Plan für den Ankunftsabend: Aufgegangen.

 

Der nächste Morgen beginnt mit einem unfassbar schlechten Hotelfrühstück, mein Plan ist (grob) Karlsbrücke, Lennon-Wall, Museum Kampa (eine Manolo Blahnik-Ausstellung) und das jüdische Viertel. Der funktioniert auch ganz gut, ich laufe über die Moldau (nicht auf der Karlsbrücke) und durch die Sträßchen unter der Burg, erfreue mich an der großen Auswahl an Absinthen und Cannabis-Produkten in den Souvenir-Shops, begutachte die Graffittis der Lennon-Wall und laufe dann als Teil einer groooßen Völkerwanderung zurück über die Karlsbrücke und zum jüdischen Viertel. Das kostete zwar Eintritt, der lohnt sich aber. Vor allem die Pinkas-Synagoge, an deren Wänden ca. 78.000 Namen geschrieben sind, zum Gedenken an die jüdischen Bürger, die im 2. Weltkrieg in der Tschechoslovakei umgekommen sind, ist sehr bewegend. Direkt nebenan ist der alte jüdische Friedhof, der ebenfalls sehr beeindruckend ist, nicht nur wegen dem, was man überirdisch sehen kann sondern auch wegen dem, was man sich unterirdisch (besser nicht) vorstellt.

 

Ich bin echt schlecht vorbereitet und ein bisschen überwältigt von Prag, das muss ich zugeben. Und beim nächsten Mal werde ich mir auf jeden Fall, wo auch immer ich bin, vorher draufschaffen was "Hallo", "Bitte", "Danke" und "Tschüß" heißt.

 

Ich laufe einfach relativ ziellos weiter rum, sage alle drei Minuten "Whoa, diese Häuser!", mache Fotos, esse Klòbasy (Bratwurst) und Trdelnik (so'n Kuchenteilchen am Spieß), trinke ein paar mehr Bier und beobachte andere Touristen, wie sie für die sozialen Netzwerke posen. Einfach mal so "Das bin ich auf der Karlsbrücke",  "Da ist Muddi vorm Rathaus" oder:  "Guck mal, wenn Du ganz genau hinguckst, kannst Du da unten Hans-Werner erkennen, am Eingang vom Eifelturm" geht heute natürlich gar nicht mehr.

 

Das Frühstück am nächsten Morgen nehme ich auf dem Wochenmarkt am Moldauufer ein. Endlich bin ich mal diejenige, die total entspannt zwischen den Ständen herumschlendert, anderen Leuten vor den Füßen rumsteht, tschechische Tomaten bewundert und total schön mit dem (echt leckeren!) Cappuccino in der Hand in der Sonne steht. Danach schaffe ich noch den Abstecher ins Museum Kampa zur Manolo Blahnik-Ausstellung und obwohl mir bereits beim Reinkommen die Füße nur vom Anblick der Schuhe wehtun, seufzt ein kleiner (also, höchstens 1,65 m großer) Teil von mir leise und sehnsüchtig.

 

Die letzte Nacht verbringe ich in einem nicht weiter erwähnenswerten Ort an der deutsch-tschechischen Grenze und am Sonntag geht es erst mal wieder zurück nach Hamburg. Das Visum für den Iran möchte beantragt werden, ich brauche dringend neue Klamotten am Leib, Stefan,  einen Haarschnitt und ein paar Freundinnen :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0