Katinka kauft sich Stöcke...

.... guckt auf den Piz Buin, fährt in den sechstkleinsten Staat der Welt und hängt ein bisschen durch. Unter anderem. Hier kommt Teil II der Bergsaga: Tadaa - das Montafon und Tirol!

 

Auch, wenn das Montafon nur eine gute Stunde Fahrt vom Bregenzerwald entfernt ist, ist es hier doch irgendwie anders. Höher, schroffer, rauher. Und teurer. Nun denn. Auch wenn ich mich nach einer guten Woche so langsam an die Berge gewöhne, finde ich sie doch immer noch atemberaubend und faszinierend. Und respekteinflößend. In dieser Woche sind in Graubünden acht Wanderer von einem Gesteinsrutsch verschüttet worden und kurz darauf ist in Salzburg eine Seilschaft mit sechs Wanderern abgestürzt, nur einer davon hat überlebt. Das sind ziemlich viele Tote in einer Woche, das bewegt mich sehr. Und wenn ich hier so durch die Bergwelt laufe, sehe ich immer wieder gigantische Felsabbrüche und Geröllfelder, als hätten die Riesenkinder mal die Fels-Legokiste ausgekippt...

 

Am Mittwoch bin ich Richtung Piz Buin aufgebrochen (der auf dem Foto oben), der höchste Gipfel in Vorarlberg. Vom beeindruckend grünen Silvrettastausee bin ich bis zur Wiesbadener Hütte (2.443 m ü. NN) am Fuß des Berges gestiegen. Auf den Piz Buin selber kommt man nur mit einer Seilschaft über den Gletscher, das ist definitiv nix für mich (und nach den Ereignissen von dieser Woche noch viel weniger). Von den Gletschern dort oben scheint allerdings nicht mehr viel übrig zu sein,

 

Auf jeden Fall versaue ich mir bei dieser Wanderung erst mal wieder meine rechte Achillessehne und trete am Donnerstag zähneknirschend kürzer. Nicht gerade meine Königsdisziplin. Also, ein bisschen Flipflops tragen und Städtchenbummeln ist angesagt. Feldkirch kenn ich schon, aber Vaduz, was immer wieder in meiner Wetter-App auftaucht, ist auch um die Ecke. Liechtenstein, der sechstkleinste Staat der Erde, das gefällt mir. 

 

Fand ich Bregenz schon klein, so ist Vaduz winzig. Parken darf ich dort für drei Stunden - die reichen dann auch. Die erste Stunde trinke ich den teuersten Cappuccino meines Lebens, die zweite und die halbe dritte Stunde verbringe ich im Kunstmuseum Liechtenstein und schwanke zwischen "Woll'n die mich verarschen?" und "Das ist wirklich grandios". Die letzte halbe Stunde schenke ich der Stadt (der es an Geld aber nicht zu mangeln scheint. Irgendwie fand ich Vaduz sehr... äh... sauber. Und viele smarte Businessmen) und fahre doch noch nach Feldkirch um einen Apfelstrudel zu essen.

 

Zur Unterstützung meines morschen Gebälks (die Knie knirschen auch), kaufe ich mir Stöcke. Was ich ja nie tun wollte. Aber ich wollte ja auch nie einen CD-Player / ein Handy / eine Lesebrille / ein Smartphone  / Hitzewallungen / einen E-Reader / google-maps benutzen. Kosten auch nicht viel. Und laufe damit am nächsten Tag los und komme mir völlig bescheuert vor. Die ersten Meter hampel ich mit den Dingern rum und haue sie mir ständig vor's Schienbein, nach drei Minuten will ich sie wegschmeißen, rufe mir dann aber ins Gedächtnis, dass mich hier ja keiner kennt, ich mich also beruhigt zum Affen machen kann, laufe wacker weiter und finde irgendwann sogar so etwas wie einen Rhythmus. Fazit nach dem ersten Tag: Bergab ganz schick und auch gut, um andere Wanderer damit zu hauen. An Tag zwei grooven wir uns ein und ehrlich gesagt: An Tag drei frage ich mich, wie ich hier auch nur einen Berg ohne die Dinger runtergekommen bin.

 

Vom Montafon gehts weiter nach Tirol, eigentlich als Highlight meines Alpentrips geplant, aber irgendwie hänge ich durch. Tirol zündet nicht so richtig. Ich finde es hier mega-touristisch. Die Achllessehne muckt weiter (okay, da kann Tirol jetzt nix für) und vom Filmfest Hamburg, bei dem ich mich als Kinobetreuerin beworben habe, kriege ich eine Absage, während ich auf einer Hütte den schlechtesten Kaiserschmarrn von ganz Österreich serviert bekomme. Hmpf.

 

Ich mache zwei sehnenschonende Ausflüge nach Salzburg (ganz hübsch, sehr viele Touristen und sehr mozartesk, aber ein tolles Café im Univiertel und eine spannende Ausstellung im Museum der Moderne) und Innsbruck (nicht ganz so viele Touristen und die Hofkirche, in der Kaiser Maximilian I. zwar nicht bestattet ist, aber alles, was er für seine Bestattung geplant hat, steht. Unter anderem 28 lebensgroße Bronze- figuren, die definitiv beeindruckend sind. Das ist schon "Schöner bestatten" irgendwie....)

 

Fazit: Bregenzerwald schlägt Montafon, schlägt Tirol. Ich hatte unfassbares Glück mit dem Wetter, bis auf einen Tag hatte ich nur Hochsommer. Ich habe gefühlt tausende von Höhenmetern erklettert und es ist mir nichts passiert. Ich will zwar gerad nicht mehr wandern, aber die Berge zu verlassen, das macht mich schon ein bisschen traurig. Ab jetzt wird es urbaner, Wien, Bratislava und Prag stehen an, bevor ich mich erst mal wieder auf den Weg nach Hamburg mache. Und ich muss dringend noch mehr Mehlspeisen essen.

 

Bleibt dran! :)

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Kommentare: 3
  • #1

    Bettina (Freitag, 01 September 2017 23:43)

    Ein wahres Lesevergnügen, Dein Blog! Bin gespannt auf Deine weiteren Erlebnisse.
    Alles Gute und Liebe,
    Bettina

  • #2

    Kirsten (Sonntag, 03 September 2017 16:14)

    Hola Katinka!
    Hey, das klingt ja nach dem ganzen Spektrum des Lebens - super! Habe gerade alle Deine Berichte gelesen und habe mich neben Dich gesetzt und in die Bergwelt geschaut - hast Du´s gemerkt, als Du Deine Wanderstiefel mit im Bild hattest? Ein Traum - ich will auch!!!!! Und so ein Käsebrot hätt ich auch gern!
    Ich wünsche Dir weiter Genüsse auf allen Ebenen, schöne Begegnungen und spannende Zeiten mit Dir selbst.
    Und für Wien natürloch viele leckere Mehlspeisen, Gruß Kirsten

  • #3

    Andreas (Montag, 04 September 2017 14:26)

    Servus Katinka,
    ja, das liest sich alles sehr schön und ich reise in Gedanken ein wenig mit, zumal ich einige der Orte kenne. Übrigens gab's mal einen Film namens "Die weiße Hölle des Piz Buin", so hieß der, glaube ich. Mit Luis Trenker oder so, grausiger Bergsteigerfilm, am Ende erfrieren alle und werden zu Eiszapfen mit Bärten. Also pass auf, aber jetzt machst Du ja eh eine Wanderpause. Viel Spaß in Wien und Prag usw. Wann wirst Du denn in HH sein?
    Herzlichst, Andruschkin