Katinka klettert

Hach, Kinners, ich bin glücklich!

 

Bei diesem Panorama bleibt einem ja auch kaum was anderes übrig, oder?

 

Nach einem wettermäßig eher moderaten Start, den ich gar nicht mal sooo schlecht fand, mit den tiefhängenden Wolken, die um mich herum waberten, hatte ich sechs perfekte Hochsommertage, die ich zum Erklimmen des einen oder anderen Gipfels genutzt habe. Mein erster Berg war mein Hausberg, die Damülser Mittagsspitze. Österreich hat drei Kategorien an Wanderwegen: Gelb = Spaziergang, Rot = Wanderschuhe wären hier schon ganz schick und Blau = Ohmeingottguckbloßnichtrunter. Okay, die Einheimischen bewältigen auch Kategorie Blau in Sneakers und besteigen die Mittagsspitze vermutlich schnell mal vor dem Frühstück, aber ich war echt gefordert. Und immer wieder panisch kurz davor, umzudrehen. Wobei das irgendwann auch keine Lösung mehr war, also weiter hoch und höher. Oben am Gipfelkreuz war ich dann (angst)schweißgebadet und mit zitternden Knien, aber stolz wie Oskar.

 

Die nächsten Gipfel waren zwar auch anstrengend, aber nicht so spektakulär. Richtig aufregend wurde es dann noch mal am Dienstag, als ich mir das Glatthorn mit 2.134 m ü. NN vorgenommen hatte. Den Rat meiner Vermieterin, bis zur Bergstation mit dem Sessellift zu fahren, hab ich natürlich in den Wind geschlagen (und nach 30 Minuten direkt bereut) und so machte ich mich bei gefühlten 40 Grad auf den Weg. Vor dem Aufstieg zum Gipfel dann wieder: Panik niederkämpfen, Blick nach unten auf die Füße und Schritt für Schritt prüfen, ob das hält. Bloß nicht nach unten gucken. Irgendwann kommt links ein Drahtseil und die letzten 70 Höhenmeter sind reines Gekletter. Oben auf dem Gipfel staune ich, dass das auch Hunde können.

 

Noch einmal wissen wollte ich es am Donnerstag, die Annalpe stand auf dem Programm, weil sie dort einen fantastischen Käse machen sollen. Überhaupt sind diese Alpen hier ja ganz großartig. Bei manchen sitzt Du quasi beim Älpler im Stall, andere sind eher wie Hütten, mit Sonnenschirmen und größerer Speisekarte. In jedem Fall ist ein Käsebrot ein Brot mit Käse und nix anderes und ich habe so viel Milch in den letzten Tagen getrunken, dass mein Osteoporoserisko derzeit minimal ist.  

 

Also auf zur Annalpe. Der Wanderführer spricht von "Gut beschilderten Güterwegen" und "Mäßigen Steigungen". In den Alpen hat das irgendwie eine andere Bedeutung als in der Eifel. Okay, "ca. 980 Höhenmeter" hätten mir zu denken geben können... Nach dreistündigem Bergaufmarsch bin ich kurz vorm Aufgeben, weit und breit nur Berge, sonst ist nix zu sehen. Ich gestehe mir dann noch weitere 10 Minuten zu und siehe da: Hinter der nächsten Biegung taucht eine Butze auf, ich komme näher und es ist tatsächlich - die Annalpe. Zwei Älpler hocken vor der Tür, Bier in der Hand und denken sich ihr Teil, aber die waren nett. Erzählten mir, wie sie 1968 mal in Hamburg auf der Reeperbahn waren und ich kriege Milch und ein Käsebrot. Und was soll ich sagen - sie machen einen fantastischen Käse!!

 

Ich lernte noch so allerhand Wissenwertes über den Almabtrieb und über Olaf, den Hahn, der jeden Hühnerhabicht in die Flucht schlägt. Beeindruckendes Tier. Derweil nahm die 4-jährige Enkelin einen beherzten Schluck aus Opas Bierflasche um danach mal eine Wespe mit der bloßen Hand zu erschlagen. Beeindruckendes Kind.

 

Ein Tagesausflug nach Bregenz rundete diese Woche ab und die Kulisse der Bregenzer Seebühne ließ mich an vergangenen Zeiten denken, als ich noch selber... Gast sein durfte :)

Außerdem hab ich eine sehr coole Ausstellung im Kunsthaus Bregenz gesehen - was heißt Ausstellung, das Kunsthaus war die Ausstellung. "The Theater of Disappearance" von Adrián Villar Rojas, der zur 2. Ebene seiner Installation sagt: "Ich wollte das Durcheinander noch größer machen, aber eigentlich wollte ich den Raum domestizieren. Es sollte sich wie ein Wohnzimmer anfühlen. Ein Wohnzimmer, wie Batman es vielleicht haben könnte."

Ich kann Euch versichern, Batman hat ein beeindruckendes Wohnzimmer!

 

Der letzte Abend spülte mir dann noch Cristina aus Valencia vor die Füße, mit der ich bei viel Bier und noch viel mehr anderen lokalen Bregenzerwald-Spirituosen das Leben besprach und sämtliche Probleme löste. Mit einem veritablen Kater und einer leisen Abschieds- melancholie hab ich mich heute aufgemacht ins Montafon (zwei Berge weiter).

Lieber Bregenzerwald, das war echt richtig nett mit Dir!!

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Kommentare: 3
  • #1

    Andreas (Mittwoch, 23 August 2017 11:32)

    Liebe Katinka, ich bin Dir heute mal gefolgt bzw. ein wenig bei Dir, das darf ich ja, hast Du gesagt :-). Bei dem Panoramablick mit Wanderschuhen wird mir ganz wohlig ums Herz und ich denke an die vielen tollen Wanderungen, die ich in den Alpen gemacht habe. Unzählige. Aber seit meinem Kniebruch vor fünf Jahren war ich nicht mehr in den Bergen, allenfalls im Schwarzwald - und immerhin habe ich dort vor einem Jahr den Belchen bestiegen. Das hatte mich mit Glück erfüllt und ich habe wie Du mit Fernblick im Gras gelegen, eine Stunde lang! Ich bin gespannt, was Du alles erleben wirst und wünsche Dir tolle Begegnungen - einige hattest Du ja schon. Das Alleinreisen verspricht interessante Momente und Gespräche, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Schreib viel auf!
    Ich schreibe auch viel auf, aber leider im Büro. Der Rückfall in die Kreisverwaltung war mittelhart. Es hätte schlimmer kommen können, aber auch viel besser. Das Motto ist Verwalten statt Gestalten und Du kannst Dir vorstellen, was das mit mir macht. Ich stürze vom Burn-Out in ein Bore-Out, hoffentlich finde ich die Schnur zum Öffnen des Rettungsschirms. Bislang schwebe ich zum Glück noch in erträglichen Winden.
    Ich melde mich hin und wieder mal und erzähle was. Herzliche Grüße vom Andi

  • #2

    Nora (Donnerstag, 24 August 2017 07:48)

    Hach da möchte man gleich dabei sein, liebe Katja. Es läuft (im wahrsten Sinne des Wortes) ja richtig gut.
    Ich wünsche Dir immer festen Tritt, beflügelnde Begegnungen mit Mensch und Tier und angenehme Unterkünfte�.....

  • #3

    Bettina (Freitag, 01 September 2017 09:27)

    So soll es sein.