Katinka sieht viele japanische Filme

Heute macht sich eine kleine Leere in mir breit, denn die letzten Tage waren ein Rausch. Das 18. Japan Filmfest Hamburg. Für ein paar Tage lag Japan an der Elbe.

 

Da ich mich dieses Jahr noch kurzfristig im Team der Gästebetreuung engagieren konnte hatte ich das Vergnügen, einige der japanischen Gäste am Flughafen abholen zu dürfen: Der Regisseur des Eröffnungsfilms „Innocent Blood“, Fujii-San und einen seiner Hauptdarsteller, Sera-San, der Regisseur von „Memories of my Mother“ und „Run Seoul Run“, Koshika-San, sowie der Regisseur von „Joshiko“, Yamamoto-San , wurden also jeweils samt Dolmetschern in meinen ollen Golf verladen und durch Hamburg kutschiert. Ganz zauberhaft, das letzte Mal, dass ich so viel sprachlos gelächelt und mich verbeugt habe, war vermutlich 2012 in Japan selber.

 

Denn: „Lost in translation“. Sie sprechen einfach kein Englisch. Zum Glück hatte ich am Flughafen Dolmetscher dabei, sonst wären Fujii-San und Sera-San, wahrscheinlich direkt wieder in den nächsten Flieger nach Tokyo gestiegen. Das erste, was sie wollten, als sie aus dem Flugzeug fielen, war Wi-Fi. Poketo Wi-Fi. Kein Klo, keinen Kaffee, kein Hotel - Wi-Fi. Und für die Unwissenden unter Euch: Das ist quasi W-Lan to go und man bekommt es bei den Autovermietungen am Flughafen. Das muss man dann auch erst mal wissen. Mit Koshika-San gelang dann am Mittwoch aber immerhin eine halbstündige Unterhaltung mittels Google Translate.

 

Eröffnet wurde das Filmfest am Mittwoch abend mit vielen Ansprachen und „Innocent Blood“, in dem es – grob zusammengefasst – darum geht, wie man weiterleben kann, wenn einem das Schicksal den Boden unter den Füßen wegreißt. Der Film hatte auf jeden Fall seine Momente. Das Filmfest-Motto 2017 war „Verlorene Unschuld“ und es gab eine sehr große Auswahl an Filmen, die einfach sehr „japanisch“ waren. Für mich bedeutet das: Ruhig, achtsam und anders als das, was ich sonst so sehe. Ich kann das schwer beschreiben, aber diese Art von Filmen zieht mich mit Sofortwirkung in ihren Bann und ich tauche in diese Atmosphäre ab, wie in einen Ozean. Besonders japanisch fand ich „Sound of Waves“ und „The girl, who never knew war“. Der mit Abstand beste Film war “Mr. Long” von Sabu – ein chinesischer Killer muss ungewollt in der japanischen Provinz untertauchen. Er kann sich zwar mit den Menschen nicht verständigen , aber er kann kochen. Ein unfassbar dichter Film, der einen ohne Atempause von ganz oben nach ganz unten katapultiert - witzig, traurig, schön, brutal... entsprechend geflasht kamen wir aus dem Kino. Martialischer ging es bei „Karate Kill“ und „Re:Born“ zu und sehr viel Spaß hatte ich bei „Shin Gojira“.

 

Was es für mich so besonders macht, sind aber nicht nur die Filme, sondern die gesamte Atmosphäre dieser vier Tage. Das Abtauchen in den Japan-Modus. Aufstehen, Frühstücken, ins Kino gehen. Minimum: Drei Filme am Tag (okay, meistens auch Maximum). Mit Chance zwischen den Filmen was essen, muss aber auch nicht sein. Von Kino zu Kino fahren, immer wieder die gleichen Menschen treffen, rumstehen, quatschen, „Wie fandest du den?“, „Welchen guckt Ihr als nächstes?“, „War Meatball Machine wirklich besser als Bloody Muscle Bodybuilder in Hell?“, sich über die ganzen Japaner freuen und immer wieder: Verbeugen und lächeln.   

 

Dadurch, dass ich dieses Mal etwas mehr gemacht habe als letztes Jahr, hab ich mich noch mehr als Teil des Ganzen gefühlt und das war einfach nur toll. Ich mag es, Teil von etwas zu sein, das ging mir schon bei der Karate-WM 2014 so. Du lebst für ein paar Tage in dieser Blase und alles andere ist weit, weit weg, Ich war keine Nacht vor ein Uhr zu Hause und dann musste ich noch bei facebook alles angucken, was die Japan-Filmfest-Leute zwischenzeitlich gepostet haben – bis ich einigermaßen zur Ruhe gekommen bin, war’s dann zwei/halb drei.   

 

Okay, am Sonntag hab ich zwischenzeitlich auch mal gedacht: Jetzt reicht’s langsam, aber nach dem letzten Film stand ich draußen vorm Kino und hätte mich eigentlich gerne weinend an die Popcorn-Maschine gekettet, um noch ein bisschen länger bleiben zu können.  

 

Sayonara, arrigato gozaimasu und bis 2018!

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