Katinka in der grauen Stadt am Meer

Seit fünf Jahren fahren Stefan und ich im Dezember für ein verlängertes Wochenende nach Husum. Entstanden aus der Idee, öfter mal kleinere Städte und Orte in Deutschland zu besuchen, die man nicht so auf'm Zettel hat. Außer Husum und Oldenburg kriege ich jetzt zwar keine weiteren Städte und Orte zusammen, die wir besucht haben, aber von den beiden ist Husum geblieben (nimm's nicht persönlich, Oldenburg).

 

Vor allem in den kleinen Weihnachtsmarkt vor der trutzigen Kirche sind wir sehr verliebt. Zwei Karussells, ein paar Fressbuden, drei Getränkestände und alle Menschen sind nett, entspannt und unaufgeregt. Selbst am Samstag Abend, wenn es verhältnismäßig voll ist, bleibt alles friedlich. In Hamburg gehe ich nicht mehr auf Weihnachtsmärkte, aber auf den Husumer Weihnachtsmarkt freue ich mich immer schon Wochen vorher wie Bolle.

 

Etwas, was wesentlich zur Vorfreude beiträgt, ist der unfassbar leckere Eierpunsch, den man dort kriegt. Ein Becher ersetzt eine komplette Mahlzeit und ist im Rahmen einer ausgewogenen und leichten Ernährung keinesfalls zu empfehlen.

 

Kulinarisches Highlight war auch dieses Jahr wieder der Samstag Abend in "Dragseths Gasthof", der älteste Gasthof Husums, der ganz klein und urig am Hafen gelegen ist und sehr, sehr leckeres Essen hat (und nebenbei auch den besten Eierpunsch auf dem Weihnachtsmarkt herstellt). 

 

Unser Abendmenü bestand aus einer weißen Zwiebelsuppe mit Rinderzunge und Vanille, sowie mit Anis mariniertem Rindercarpaccio mit Fenchel und Orangen. Als Hauptgang hatte ich das Labskaus (ja, ich liebe Labskaus und das schon seit meiner Kindheit) und Stefan einen Lammrücken mit Ziegenkäsekruste. Dazu ein leckeres Dithmarscher und zum Abschluss einen Obstbrand - für ein Dessert war kein Platz mehr, obwohl die Backensholzer Käseauswahl sicher lecker gewesen wäre. 

 

Am Freitag Abend war es sehr weihnachtlich mit einer Lesung im Theodor-Storm-Haus, die "Weihnachtsnovelle". Wunderschön vorgelesen neben einem opulent geschmückten Weihnachtsbaum war die Geschichte für mich eine Reise in meine Kindheit, als der Heiligabend noch ein echtes Wunder war und ich die Nacht vorher vor lauter Aufregung nicht schlafen konnte. Am Nachmittag dann erst geheimnisvolles Geraschel in der Wohnung, während ich in meinem Zimmer warten musste und dann der glänzende Baum, die brennenden Kerzen, die Geschenke - und all das hatte sich auf wundersame Weise in unserem Wohnzimmer gebildet...

 

Ein Gläschen Storm-Punsch rundete den Abend ab.

 

Am Samstag gab's Kindheitserinnerungen der anderen Art - "Rogue one" war gerade angelaufen und verursachte leuchtende Augen bei Stefan. Das Husumer Kino hat tatsächlich noch einen Saal mit Tischbedienunung (der passenderweise "Oldie" heißt) und für uns Senioren gab's dort den Blockbuster ganz old school in 2-D. Dementsprechend leer war es :)

 

Und der Film? Nun, was soll ich als Nicht-Star-Wars-sozialisiertes Menschenkind sagen? Schön wars. Schön groß und schön viel.


Nebenher kann man in Husum auch noch wunderbar shoppen, was vielleicht auch daran liegt, dass wir dort einfach mal Zeit haben und entspannt sind. In Hamburg soll das ja auch gehen. Außerdem kann man lecker Fisch essen, sich einfach vorweihnachtlich treiben und von den Lichtern bezaubern lassen, auf dem Deich spazieren gehen, bis man zum Overlook Hotel kommt, sich thailändisch massieren lassen und jede Aktivität mit einem Eierpunsch abschließen. Der Weihnachtsmarkt hat ab 10 Uhr geöffnet...

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