Katinka im Ashram - Tag 2

Wecker um sechs. Das Aufstehen fällt deutlich leichter als gestern. Kein Wunder nach neun Stunden Schlaf. Heute sichere ich mir einen guten Platz für die Meditation, ignoriere das Mantrasingen ohne zu zögern und staune beim anschließenden Vortrag über die sechs Wege des Yoga über verblüffende Zusammenhänge zwischen dem zufälligen Erwachen der Kundalini und der Einweisung in die Psychiatrie - sollte doch alles so einfach sein?

 

Mir fällt allerdings auch auf, dass mir vieles, was ich hier höre, auch schon im Zen begegnet ist (nicht, dass ich wirklich Ahnung von Zen hätte...) und auch in der Yoga-Stunde gestern fand ich viele Elemente, die ich schon seit langem kenne und die mir auch beim Pilates oder der Rückengymnastik bei meinem gemütlichen VfL 93 begegnen. Da bin ich doch besser aufgestellt, als ich dachte. Ist die indische Yoga-Ursuppe eigentlich der Ursprung von allem?

 

Mein aufkeimender Enthusiasmus, dies könne womöglich doch noch eine ganz hübsche Woche für mich werden, wird um Viertel nach neun im Keim erstickt, als ich im sardinenbüchsenvollen Yogaraum daran scheitere, einen Platz zu ergattern. Nee Leute, echt, ihr könnt mich mal! Ich bin beleidigt. Und habe Hunger. Und gehe auf mein Zimmer, um mich zu sortieren. Es steht nicht gut um Yoga und mich. 

 

Um Viertel vor elf stehe ich simons-cat-like vor dem Speisesaal und bekomme Müsli. Das warme Essen spricht mich leider auch heute nicht an. Meine Entscheidung, morgen abzureisen, steht zu 90% fest. Aber vorher will ich noch zu den Externsteinen.

Ich mache eine wunderbare Waldwanderung bei relativ bester Ausschilderung und definitiv bestem Herbstwetter. Und zur Belohnung gibts am Büdchen vom Info-Zentrum... ZUCKER - eine heiße Schokolade und einen Riegel. Nimm das, schwacher Geist!

 

Am Nachmittag packe ich und die Entscheidung fühlt sich richtig an. Das abschließende Abendessen gibt sein Möglichstes, um mich noch einmal umzustimmen - es schmeckt tatsächlich gar nicht so schlecht und es gibt sogar Nachtisch. Ich zweifle kurz, aber nicht wirklich.

 

Fazit: Mir wars zu voll, leider. Per se war's aber eigentlich keine schlechte Idee, auch wenn ich sehr zeitig die Segel gestrichen hab. Beeindruckend fand ich die Atmosphäre im Ashram. Ich habe selten so viele gut gelaunte, fröhliche und hübsche (und vermutlich auch gelenkige...) Menschen auf einem Haufen getroffen. Ständig wurde sich umarmt, geherzt und gefreut, das fand ich wirklich schön. Und ich will zumindest versuchen, ein paar Sachen wenigstens noch den Rest meiner Urlaubswoche für mich in Hamburg beizubehalten. Mal gucken - das wäre doch gelacht, wenn ich nicht wenigstens den Sonnnegruß für mich gewinnen könnte.

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